Arbeitszeugnis richtig lesen: So erkennen Sie die wahre Note
Sie haben Ihr Arbeitszeugnis erhalten, lesen es durch und denken: «Klingt doch gut.» Doch genau das ist die Falle der Zeugnissprache. Fast jedes Zeugnis klingt auf den ersten Blick positiv – die eigentliche Bewertung steckt in den Nuancen. Wer sein Arbeitszeugnis richtig lesen will, muss wissen, worauf es ankommt.
Schritt 1: Von hinten nach vorne lesen
Erfahrene Personalverantwortliche lesen Arbeitszeugnisse von hinten nach vorne. Die Schlussformel verrät am schnellsten, wie das Zeugnis insgesamt gemeint ist. Enthält sie Bedauern, Dank und Zukunftswünsche? Dann ist das ein gutes Zeichen. Steht dort nur «Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute» ohne Dank und Bedauern, ist das ein Warnsignal. Prüfen Sie auch den Austrittsgrund: «Verlässt uns auf eigenen Wunsch» ist neutral. «Das Arbeitsverhältnis wurde im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst» bedeutet in der Regel, dass der Arbeitgeber gekündigt hat.
Schritt 2: Die Zufriedenheitsformel identifizieren
Suchen Sie den Satz mit «Zufriedenheit». Er steht meist gegen Ende des Beurteilungsteils. Achten Sie auf die exakten Verstärker: Steht «stets» davor? Steht «vollsten» oder «vollen» oder gar nichts? Jedes fehlende Wort ist eine Abstufung.
Schritt 3: Auf Auslassungen achten
Was nicht im Zeugnis steht, ist genauso wichtig wie das, was drinsteht. Ein vollständiges Zeugnis muss alle relevanten Dimensionen abdecken: Fachwissen, Arbeitsqualität, Arbeitsmenge, Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und bei Führungskräften die Führungskompetenz. Fehlt eine Dimension komplett, ist das ein bewusstes negatives Signal.
Schritt 4: Verstärker und Einschränkungen zählen
Zählen Sie die positiven Verstärker im gesamten Zeugnis: «stets», «jederzeit», «ausserordentlich», «sehr», «vorbildlich». Achten Sie gleichzeitig auf Einschränkungen: «im Allgemeinen», «im Wesentlichen», «im Grossen und Ganzen», «meist» – das sind Signalwörter für eine Abstufung.
Schritt 5: Den Gesamteindruck prüfen
Ein gutes Zeugnis ist intern konsistent. Wenn die Einzelbewertungen alle auf Note 5 hindeuten, aber die Schlussformel nur Note 3 ergibt, stimmt etwas nicht. Ebenso verdächtig: Ein Zeugnis, das auffällig kurz ist.