Zwischenzeugnis Muster: Vorlage und Formulierungen für die Schweiz
Ein Zwischenzeugnis wird während eines laufenden Arbeitsverhältnisses ausgestellt. Der entscheidende formale Unterschied zum Schlusszeugnis: Es steht im Präsens, weil die Zusammenarbeit weitergeht. Wer ein Zwischenzeugnis im Perfekt schreibt, signalisiert unbeabsichtigt eine bevorstehende Trennung.
Typische Anlässe
Wechsel der vorgesetzten Person, interne Beförderung oder Funktionswechsel, Reorganisation oder Übernahme, längere Abwesenheit wie Mutterschaftsurlaub oder unbezahlter Urlaub, sowie eine bevorstehende Bewerbung. Auch ohne besonderen Anlass haben Sie nach Art. 330a OR jederzeit Anspruch – ein sachlicher Grund erleichtert die Anfrage aber deutlich.
Tipp für Arbeitnehmende: Verlangen Sie das Zwischenzeugnis, solange die vorgesetzte Person, die Ihre Arbeit beurteilen kann, noch im Unternehmen ist. Nach einem Vorgesetztenwechsel wird die Bewertung oft blasser, weil niemand mehr Details kennt.
Muster: Zwischenzeugnis Sachbearbeitung (Note 5)
«Frau Anna Muster, geboren am 3. April 1992, ist seit dem 1. März 2023 in unserem Unternehmen als Sachbearbeiterin Kundendienst tätig.»
«Die Muster AG mit Sitz in Zürich beliefert rund 400 Geschäftskunden in der Deutschschweiz mit technischen Verbrauchsmaterialien. Frau Muster betreut in diesem Umfeld einen eigenen Kundenstamm von rund 120 Firmenkunden.»
«Zu ihren Aufgaben gehören: Bearbeitung von Kundenanfragen per Telefon und E-Mail; Erfassung und Nachverfolgung von Aufträgen im ERP-System Abacus; Erstellung von Offerten bis CHF 20 000; Reklamationsbearbeitung in Abstimmung mit der Logistik; Pflege der Kundendaten im CRM.»
«Frau Muster verfügt über ein fundiertes Fachwissen, das sie sicher und erfolgreich in der täglichen Arbeit einsetzt. Sie arbeitet sehr sorgfältig, strukturiert und auch bei hohem Auftragsvolumen zuverlässig. Ihre Arbeitsergebnisse sind stets von sehr guter Qualität. Sie erfüllt ihre Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.»
«Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden ist jederzeit einwandfrei. Sie ist eine geschätzte Ansprechpartnerin, die auch in anspruchsvollen Gesprächen ruhig und lösungsorientiert bleibt.»
«Dieses Zwischenzeugnis wird auf Wunsch von Frau Muster und aufgrund eines Wechsels der Vorgesetzten ausgestellt. Wir danken ihr für ihren wertvollen Einsatz und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.»
Was im Zwischenzeugnis anders ist
Erstens die Zeitform: durchgehend Präsens. Zweitens der Schlussteil: Statt Dank für die Vergangenheit und Zukunftswünschen steht dort der Ausstellungsgrund und ein Ausblick auf die weitere Zusammenarbeit. Drittens fehlt jede Aussage zum Austritt – ein Austrittsgrund im Zwischenzeugnis ist ein schwerer formaler Fehler.
Wichtig für Arbeitgeber: Das spätere Schlusszeugnis muss inhaltlich zum Zwischenzeugnis passen. Eine deutlich schlechtere Beurteilung ohne dokumentierte Leistungsveränderung ist angreifbar. Halten Sie Leistungsentwicklungen deshalb laufend fest.