Arbeitszeugnis Beispiel: Dasselbe Zeugnis in Note 4, 5 und 6
Theorie über Zeugniscodes hilft nur begrenzt. Viel klarer wird es im direkten Vergleich: Hier lesen Sie dreimal dasselbe Arbeitszeugnis für dieselbe Person – einmal mit Note 4 (gut), einmal mit Note 5 (gut bis sehr gut) und einmal mit Note 6 (sehr gut). Die Aufgaben bleiben identisch; verändert wird nur die Bewertungssprache.
Ausgangslage: Marco Steiner, Projektleiter Bau, drei Jahre bei einem mittelgrossen Generalunternehmer, Verantwortung für Umbauprojekte bis CHF 3 Mio.
Beispiel Note 4 – gut
«Herr Steiner verfügt über gutes Fachwissen, das er in seinem Aufgabenbereich einsetzte. Er arbeitete sorgfältig und zuverlässig und erledigte die übertragenen Aufgaben termingerecht. Auch bei erhöhtem Arbeitsanfall bewältigte er sein Pensum. Er erfüllte seine Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.»
«Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden war korrekt.»
«Herr Steiner verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir danken ihm für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.»
Analyse: «gut», «sorgfältig», «korrekt», «zu unserer vollen Zufriedenheit» ohne «stets» – solide Durchschnittsleistung, keine Herausstellung, kein Bedauern.
Beispiel Note 5 – gut bis sehr gut
«Herr Steiner verfügt über ein breites und fundiertes Fachwissen im Bereich Umbau und Sanierung, das er sicher und erfolgreich einsetzte. Er führte seine Projekte strukturiert, kostenbewusst und termintreu und behielt auch bei parallelen Baustellen den Überblick. Seine Arbeitsergebnisse waren von sehr guter Qualität. Er erfüllte seine Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.»
«Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden, Unternehmern und Bauherrschaften war jederzeit einwandfrei. Er war ein geschätzter Ansprechpartner auf der Baustelle wie im Büro.»
«Herr Steiner verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir bedauern. Wir danken ihm für seine sehr guten Leistungen und die angenehme Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg.»
Analyse: «breit und fundiert», «sicher und erfolgreich», «stets», «jederzeit einwandfrei», Bedauern vorhanden – klare Note 5.
Beispiel Note 6 – sehr gut
«Herr Steiner verfügt über ein ausgezeichnetes, weit über den eigenen Bereich hinausgehendes Fachwissen, das er jederzeit souverän und mit grossem Erfolg einsetzte. Er führte anspruchsvolle Umbauprojekte bis CHF 3 Mio. eigenverantwortlich und schloss sie durchwegs innerhalb von Termin und Budget ab. Seine Arbeitsergebnisse waren ausnahmslos von hervorragender Qualität. Er erfüllte seine Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.»
«Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden, Unternehmern und Bauherrschaften war stets vorbildlich. Er genoss dank seiner ruhigen, verbindlichen Art höchste Wertschätzung auf allen Ebenen.»
«Herr Steiner verlässt uns auf eigenen Wunsch, was wir ausserordentlich bedauern. Wir danken ihm für seine stets hervorragenden Leistungen und die jederzeit ausgezeichnete Zusammenarbeit. Für seinen weiteren beruflichen und privaten Lebensweg wünschen wir ihm viel Erfolg und alles Gute.»
Analyse: «ausgezeichnet», «souverän», «ausnahmslos», «vollsten», «vorbildlich», «ausserordentlich bedauern» – jede Ebene ist maximal ausgesteuert und durch konkrete Fakten belegt.
Was Sie daraus mitnehmen
Der Unterschied zwischen Note 4 und Note 6 liegt nicht in der Länge der Aufgabenliste, sondern in drei Elementen: Häufigkeitswörter, Steigerungsadjektive und Belege. Ein Note-6-Zeugnis nennt Zahlen, Verantwortungsgrenzen und konkrete Ergebnisse; ein Note-4-Zeugnis bleibt allgemein.
Wenn Ihr Zeugnis dem ersten Beispiel gleicht, Ihre Leistung aber dem dritten entsprach: Notieren Sie konkrete Belege – Projektvolumen, Termintreue, Kundenfeedback – und bringen Sie diese in das Korrekturgespräch mit. Fakten überzeugen HR-Abteilungen deutlich stärker als der Wunsch nach besseren Adjektiven.