Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitenden

    Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitenden: Reihenfolge, Codes und Noten

    Der Verhaltensteil bewertet die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kundschaft. Neben dem Wortlaut entscheidet die Reihenfolge der genannten Anspruchsgruppen über die Aussage.

    Steht «Vorgesetzten» vor «Mitarbeitenden», gilt das als korrekte Reihenfolge. Wird sie umgedreht, lesen erfahrene HR-Fachleute das als Hinweis auf ein schwieriges Verhältnis zur Führung. Fehlt eine Gruppe ganz – etwa die Kundschaft in einer Verkaufsfunktion –, wirkt das als beredtes Schweigen.

    Auch der Steigerungsgrad zählt: «stets vorbildlich» ist die Bestnote, «einwandfrei» beschreibt korrektes, aber unauffälliges Verhalten, und Formulierungen rund um Geselligkeit oder Betriebsklima sind in der Schweizer Zeugnissprache klassische Negativcodes.

    Bei Führungsfunktionen kommt eine zweite Ebene dazu: Wird die Führungsleistung aktiv anerkannt oder wird sie nur «akzeptiert»? Diese Seite versammelt alle Varianten mit Bedeutung, Beispielsatz, Konsequenzen und Verhandlungsempfehlung.

    Der Abschnitt gehört im Zeugnisaufbau zu Verhalten und Zusammenarbeit. Alle weiteren Codes finden Sie im Glossar der Zeugnissprache, ein vollständiges Musterdokument in der vorlage zwischenzeugnis.

    Sozialverhalten
    Sehr gut (Note 6)

    «Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitenden war stets vorbildlich»

    Sehr gutes Sozialverhalten – Note 6.

    Klartext-Bedeutung

    Die Reihenfolge ist entscheidend: «Vorgesetzte» müssen vor «Mitarbeitende» genannt werden. Eine umgekehrte Reihenfolge («Mitarbeitende und Vorgesetzte») ist ein klarer Code für Probleme mit der Hierarchie – die Person hat sich gegen Vorgesetzte aufgelehnt.

    Beispielsatz im Zeugnis

    «Frau Musters Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden war stets vorbildlich.»

    Was bedeutet das konkret für Ihre Karriere?

    Top-Bewertung im Sozialverhalten. Wer auch noch «Kunden» in dieser Kette erwähnt bekommt, hat ein klares Differenzierungs­merkmal für kunden­orientierte Rollen. Die Reihenfolge zeigt: Hierarchie wird respektiert.

    Verhandlungs-Tipp nach Art. 330a OR

    Prüfen Sie kritisch die Reihenfolge der Aufzählung. Steht «Mitarbeitende» vor «Vorgesetzten», ist das ein versteckter Hinweis auf Konflikte – verlangen Sie die korrekte Reihenfolge.

    Bessere Formulierung

    Im Zeugnis steht

    «Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitenden war stets vorbildlich»

    Verlangen Sie

    «Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden war stets vorbildlich»

    Führungsverhalten
    Sehr gut (Note 6)

    «wurde als Vorgesetzter aufgrund seiner Fairness und Konsequenz von allen Mitarbeitenden anerkannt»

    Sehr gute Führungs­bewertung – Note 6.

    Klartext-Bedeutung

    «Fairness und Konsequenz» kombiniert mit «von allen Mitarbeitenden anerkannt» ist eine starke Führungs­bewertung. Wichtig: «alle» schliesst niemanden aus – das ist die höchste Bestätigung.

    Beispielsatz im Zeugnis

    «Herr Muster wurde als Vorgesetzter aufgrund seiner Fairness und Konsequenz von allen Mitarbeitenden anerkannt und respektiert.»

    Was bedeutet das konkret für Ihre Karriere?

    Top-Bewertung für Führungs­kräfte. Wer diese Formulierung erhält, ist für weiterführende Führungs­rollen sehr gut positioniert. Die Aussage ist auch bei kritischen HR-Lesungen positiv interpretierbar.

    Verhandlungs-Tipp nach Art. 330a OR

    Wenn Ihre Führungsrolle wichtig ist, achten Sie darauf, dass konkrete Erfolge (Team­aufbau, Restrukturierung, Mitarbeitenden­bindung) erwähnt werden. Reine Charakter­zuschreibungen ohne Erfolge wirken weniger glaubwürdig.

    Bessere Formulierung

    Im Zeugnis steht

    «wurde als Vorgesetzter aufgrund seiner Fairness und Konsequenz von allen Mitarbeitenden anerkannt»

    Verlangen Sie

    «wurde als Vorgesetzter aufgrund seiner Fairness und Konsequenz von allen Mitarbeitenden anerkannt und respektiert»

    Sozialverhalten
    Genügend (Note 2)

    «Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Vorgesetzten war einwandfrei»

    Code für Hierarchie-Probleme – die umgekehrte Reihenfolge ist eine Warnung.

    Klartext-Bedeutung

    Wenn «Mitarbeitende» vor «Vorgesetzten» genannt werden, signalisiert das ein gestörtes Verhältnis zur Hierarchie. Es ist einer der bekanntesten versteckten Codes der Schweizer Zeugnis­sprache und wird von HR-Profis sofort erkannt.

    Beispielsatz im Zeugnis

    «Sein Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Vorgesetzten war einwandfrei.»

    Was bedeutet das konkret für Ihre Karriere?

    Diese Formulierung kann Bewerbungen für Positionen mit Reporting-Linien (also fast alle) erheblich erschweren. HR-Profis lesen sofort: Die Person hatte Konflikte mit dem Vorgesetzten. Bei Bewerbungen sollten Sie eine sachliche Erklärung parat haben (z. B. struktureller Konflikt, nicht persönlicher Streit).

    Verhandlungs-Tipp nach Art. 330a OR

    Verlangen Sie die Korrektur der Reihenfolge. Die Schweizer Zeugnis­konvention ist klar: Hierarchie wird respektiert. Eine sachliche Begründung («branchen­übliche Reihenfolge») reicht meist aus.

    Bessere Formulierung

    Im Zeugnis steht

    «Verhalten gegenüber Mitarbeitenden und Vorgesetzten war einwandfrei»

    Verlangen Sie

    «Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Kunden war stets einwandfrei»

    Führungsverhalten
    Genügend (Note 2)

    «seine Mitarbeitenden akzeptierten ihn als Vorgesetzten»

    Negative Führungs­bewertung – «akzeptierten» ist ein Code für Probleme.

    Klartext-Bedeutung

    «Akzeptiert» ist in der Führungs­bewertung eine massive Abwertung. Es bedeutet: Die Mitarbeitenden mussten ihn ertragen. Eine gute Führungs­kraft wird «respektiert», «geschätzt» oder «anerkannt» – nicht bloss «akzeptiert».

    Beispielsatz im Zeugnis

    «Seine Mitarbeitenden akzeptierten ihn als Vorgesetzten.»

    Was bedeutet das konkret für Ihre Karriere?

    Für künftige Führungs­positionen ist das ein massives Hindernis. HR-Profis lesen hier: Die Person hatte autoritäre Probleme oder konnte ihre Rolle nicht ausfüllen. Eine Erklärung im Bewerbungs­gespräch ist fast immer nötig.

    Verhandlungs-Tipp nach Art. 330a OR

    Verhandeln Sie auf «respektiert» oder «geschätzt». Wenn Sie konkrete Erfolge mit dem Team vorweisen können (Mitarbeitenden­bindung, erfolgreiche Projekte, geringe Fluktuation), haben Sie eine starke Verhandlungs­basis.

    Bessere Formulierung

    Im Zeugnis steht

    «seine Mitarbeitenden akzeptierten ihn als Vorgesetzten»

    Verlangen Sie

    «wurde von seinen Mitarbeitenden als Vorgesetzter anerkannt und geschätzt»

    Sozialverhalten
    Ungenügend (Note 1)

    «trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei»

    Code für Alkoholprobleme oder unangemessenes Verhalten an Firmen­anlässen.

    Klartext-Bedeutung

    Eine der berüchtigtsten Code-Formulierungen. «Geselligkeit» und «Verbesserung des Betriebsklimas» klingen positiv, sind aber in der Zeugnis­sprache fast immer Hinweise auf Alkohol- oder Suchtprobleme bzw. unangemessenes Verhalten an Firmenanlässen.

    Beispielsatz im Zeugnis

    «Er trug durch seine Geselligkeit wesentlich zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.»

    Was bedeutet das konkret für Ihre Karriere?

    Diese Formulierung ist ein massiver Karriere-Killer. Erfahrene HR-Profis erkennen den Code sofort. Bei Bewerbungen wird sie fast immer zu Ablehnungen führen, ohne dass je darüber gesprochen wird.

    Verhandlungs-Tipp nach Art. 330a OR

    Verlangen Sie die ersatzlose Streichung dieser Formulierung. Sie ist nicht wahrheitsgemäss in dem Sinne, dass sie keine Leistungs­aussage trifft, sondern eine versteckte negative Bewertung enthält. Notfalls juristisch prüfen lassen.

    Bessere Formulierung

    Im Zeugnis steht

    «trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei»

    Verlangen Sie

    «trug positiv zum Teamklima bei»

    Sozialverhalten: die Reihenfolge verrät die Note

    Im Verhaltensteil zählt nicht nur, was steht, sondern in welcher Reihenfolge. Die Konvention lautet: Vorgesetzte, Mitarbeitende, Kundschaft. Wird diese Reihenfolge verändert – etwa indem die Vorgesetzten zuletzt genannt oder ganz weggelassen werden –, ist das ein bewusstes Signal. Fehlt eine Anspruchsgruppe komplett, obwohl sie zur Funktion gehört (z. B. Kundschaft bei einer Verkaufsstelle), lesen HR-Fachleute das als Hinweis auf Konflikte in genau diesem Bereich.

    Die zweite Ebene ist das Adjektiv: «vorbildlich» steht an der Spitze, gefolgt von «einwandfrei», «korrekt», «insgesamt korrekt» und schliesslich «gab zu keinen Klagen Anlass». Der letzte Ausdruck ist eine klassische Negativformulierung: Er sagt nur, dass niemand offiziell reklamiert hat – nicht, dass das Verhalten gut war.

    Für Schweizer Arbeitsverhältnisse besonders relevant: Teamfähigkeit, Konsensorientierung und Verlässlichkeit sind kulturell hoch gewichtet. Ein Zeugnis, das ausschliesslich fachliche Stärke lobt und beim Verhalten knapp bleibt, wirkt auf Schweizer Recruiter kritischer als in anderen Märkten.

    • «Vorbildlich» = Spitzenbewertung, aber nur glaubwürdig mit vollständiger Nennung aller Anspruchsgruppen.
    • Kundschaft weggelassen bei kundennaher Funktion = Warnsignal.
    • «Gab zu keinen Klagen Anlass» = codierte Abwertung, sollte verhandelt werden.
    • Betonung von «Geselligkeit» oder «Beliebtheit» statt Leistung = klassischer Negativcode.

    Note 6 im Bewerbungsprozess: was Sie damit erreichen

    Eine Bewertung auf Stufe 6 der Schweizer Skala (Schulnote 1) bringt Sie in jedem Selektionsverfahren in die engere Auswahl – vorausgesetzt, das Zeugnis ist in sich stimmig. Recruiter prüfen bei Spitzenbewertungen besonders genau, ob Leistungsteil, Verhaltensteil und Schlussformel dasselbe Niveau halten. Eine Note 6 bei der Leistung neben einer knappen Schlussformel wirkt widersprüchlich und wird eher als Warnsignal denn als Lob gelesen.

    Nutzen Sie eine solche Bewertung aktiv: Zitieren Sie die stärksten Sätze im Motivationsschreiben oder im LinkedIn-Profil und untermauern Sie sie mit konkreten Ergebnissen aus derselben Zeit. Ein Zeugnissatz plus messbares Resultat ist im Interview deutlich überzeugender als das Zeugnis allein.

    Prüfen Sie ausserdem, ob das Zeugnis alle Pflichtbestandteile enthält: Personalien, Funktion, Dauer, Aufgaben, Leistung, Verhalten, Schlussformel, Ort, Datum, Unterschrift. Eine Spitzenbewertung nützt wenig, wenn Angaben fehlen und das Dokument dadurch unvollständig wirkt.

    So liest eine HR-Fachperson „Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitenden war stets vorbildlich"

    Im Dossier-Screening bleiben pro Bewerbung durchschnittlich nur wenige Minuten. Erfahrene Personalverantwortliche lesen ein Arbeitszeugnis deshalb nicht linear, sondern springen zu vier Stellen: Anstellungsdauer, Aufgabenbeschrieb, Leistungssatz und Schlussformel. Die Formulierung „Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitenden war stets vorbildlich" wird dabei als positives Signal registriert und stützt die Gesamteinschätzung.

    Entscheidend ist danach der Abgleich: Passt diese Formulierung zum Rest des Dokuments? Bestätigen Aufgabenbeschrieb, Verhaltensteil und Schlussformel dasselbe Niveau, ist das Zeugnis glaubwürdig und wirkt stark. Widersprechen sie sich, entsteht Erklärungsbedarf im Interview.

    Für Sie heisst das: Bereiten Sie sich auf eine mögliche Nachfrage vor. Eine kurze, sachliche Erklärung ohne Kritik am früheren Arbeitgeber wirkt professionell. Vermeiden Sie Rechtfertigungen und lange Vorgeschichten – zwei bis drei Sätze plus ein Verweis auf konkrete Resultate genügen in aller Regel.

    Häufige Fragen